Psychologie

Das „NLP-Botschafter“-Zertifikat von Boris Khomulenko: Was dahintersteckt

Das „NLP-Botschafter“-Zertifikat von Boris Khomulenko: Was dahintersteckt

Boris Khomulenko hat kürzlich auf Instagram mit einem neuen Zertifikat geprahlt — goldener Rahmen, Wappen, Unterschrift eines Professors aus Berlin. „IN Ambassador for Ukraine", Botschafter der International Association of NLP Institutes. Sieht seriös aus, bis man anfängt, genau zu lesen. Und dann wird es komisch.

Was hinter dieser Assoziation steckt

Der Name „International Association of NLP Institutes" klingt nach etwas Großem, fast nach einer UN-Struktur. Dahinter steckt eine private Firma, ein Netz von Trainingskursen, das ein paar Leute, die mit NLP ihr Geld verdienen, im Jahr 2001 aufgebaut haben. Kein Staat, keine Universität, kein Psychologenverband steht dahinter. Kein Bildungsministerium erkennt dieses „Diplom" an — und hat es nie getan.

Ein Detail von ihrer eigenen Website verrät am meisten über den Charakter dieser Assoziation: Die Mitgliedschaft ist kostenlos. Ein beliebiges Training bezahlt und absolviert — schon ist man offizielles „Mitglied", Abzeichen für LinkedIn inklusive. Das ist die ganze Aufnahmeprüfung.

Wer unterschrieben hat

Unten auf dem Zertifikat: „Prof. Dr. Karl Nielsen", Präsident. Doktor, und dazu noch Professor. Fangen wir mit dem Doktor an.

In Deutschland gibt es einen Ort, an dem sämtliche seit 1913 im Land verteidigten Dissertationen liegen — die Deutsche Nationalbibliothek. Wer in Deutschland wirklich promoviert hat, dessen Arbeit ist dort zu finden, ohne Ausnahme. Karl Nielsen taucht in diesem Katalog nicht auf. Was er tatsächlich hat, sind zwei Berliner Hochschuldiplome, in Soziologie und Psychologie, noch aus den Achtzigern. Nach heutigen Maßstäben ist das Masterniveau — bis zum Doktortitel ist es von dort ein weiter Weg.

Woher also der „Dr."? Nielsen macht selbst kein Geheimnis daraus, er schreibt ihn als „Dr. (UCN)". UCN ist die Universidad Central de Nicaragua. Über ebendiese Universität verkauft seine eigene Assoziation ihre Programme — der Kreis schließt sich also bei ihm. Schon 2008 hat die deutsche Fachpresse dieses Schema auseinandergenommen, und die staatliche Stelle, die in Deutschland ausländische Abschlüsse bewertet, wollte in nicaraguanischen Graden nichts Substanzielles erkennen. Am treffendsten hat es Nielsen selbst formuliert:

Die Chancen, dass eine staatliche deutsche Universität anerkennt, was wir anbieten, sind ziemlich gering.

Das sagt er über seinen eigenen Doktortitel.

Das deutsche Magazin Managerseminare nahm das Schema der „NLP-Doktoren aus Nicaragua" bereits 2008 auseinander

Mit dem Professorentitel ist es dieselbe Geschichte. Nielsen ist „Dekan" einer „International School of Psychology", die er an ebendieser Universität selbst gegründet hat. Eine komische Konstruktion: Er verkauft die Programme, er ist ihr „Dekan", und er berät die Universität, was in diesen Programmen stehen soll. Der Mann schreibt sich seine Regeln selbst und unterschreibt sie auch selbst.

Und es bleibt nicht bei einer Assoziation. Hinter Nielsen stehen acht davon — NLP, Coaching, Hypnose, Familienaufstellungen, Achtsamkeit, Positive Psychologie und ein paar mehr. Alle „international", alle „weltweit", alle unter ihm.

Acht „internationale Assoziationen" von Karl Nielsen unter einem Dach

Wen man dort aufnimmt

Wie viel solche Zertifikate wert sind, haben die Briten am schönsten vorgeführt. 2009 reichte ein Mann namens Andrew Austin versuchshalber die Unterlagen seiner Katze ein — und die Katze wurde beim British Board of NLP offiziell als zertifizierte NLP-Fachkraft registriert. Niemand prüfte irgendetwas. Die Geschichte schaffte es bis in die Wikipedia. Behalten Sie dieses Niveau im Kopf, wenn Sie das nächste Mal irgendwo ein „internationales NLP-Zertifikat" sehen.

Englische Wikipedia: 2009 wurde beim British Board of NLP eine Katze registriert

Und sogar der Name

Eine Kleinigkeit, aber sie rundet das Bild ab. Auf dem Zertifikat steht „Borislav Khomulenko". Im staatlichen Unternehmerregister, das jeder über YouControl einsehen kann, ist er als Boris eingetragen. „Borislav" klingt wohl überzeugender. Offenbar hat in Berlin niemand auch nur nachgesehen, auf wen das Papier eigentlich ausgestellt wird.

Was am Ende bleibt

Kratzt man die Vergoldung ab, bleibt der Mitgliedszettel eines Clubs mit freiem Eintritt. Unterschrieben von einem Professor ohne Professur und einem Doktor ohne Dissertation, dessen Titel aus einem nicaraguanischen Schema stammen, das er sich selbst gebaut hat. In einer Branche, in der dasselbe Zertifikat einmal an eine Katze ging. Und ausgestellt auf einen Namen, den es im offiziellen Register nicht gibt.

Ob das alles irgendetwas mit dem Beruf des Psychologen zu tun hat, urteilen Sie selbst.

Leider ist das kein Einzelfall. Die Welt der Psychologie und Selbstentwicklung ist voll von klingenden „internationalen" Titeln, gekauften Graden und Zertifikaten, die in Wahrheit nichts belegen. Genau deshalb betreiben wir diese Seite: um solche Dinge beim Namen zu nennen — damit jemand, der einen Spezialisten sucht, den Unterschied zwischen echter Qualifikation und schönem Papier erkennt. Mehr über unseren Ansatz auf der Seite „Über uns".


Wenn Ihnen hier eine Ungenauigkeit auffällt, schreiben Sie uns. Wir prüfen und korrigieren alles, was nicht der Wahrheit entspricht. Das Recht auf Gegendarstellung hat jeder.


I Love Boris

© 2026 I Love Boris. Alle Rechte vorbehalten.